„Ihr kleines Weinlexikon mit dem gewissen Etwas!“

Weinbau in Deutschland

Die Anfänge des deutschen Weinbaus datieren auf das dritte Jahrhundert n. Ch. und wurde maßgeblich durch die Römer beeinflusst. Die damalige Außengrenze des Römischen Reichs, der Limes, teilt noch heute Deutschland in seine Regionen mit intensiven Weinbau und (bis auf Franken und Sachsen – Saale/Unstrut) Regionen ohne Weinbau ein. Die Weine der Gegenwart sind das Ergebnis der sich im 12./13. Jahrhundert entwickelnden Kultivierung durch die großen Benediktinerklöster und des Zisterzienserordens. Kloster Eberbach im Rheingau oder der Würzburger Stein sind markante Zeitzeugen. Wie in vielen Regionen Europas konzentriert sich der Weinbau an den Flussufern und dessen Hängen. In diesen Urstromtälern haben sich neben Mineralien auch Muschelkalk, Kiesel und Lehm abgelagert oder wie an Mosel, Saar und Ruwer, der Fluss sich sein Bett in den Schieferboden gefräst. Derzeit wird sogar in der Nähe von Schwerin und in Schleswig-Holstein zugelassen Wein angebaut. Die berühmteste und weltweit mit höchsten Preisen prämierte Traube ist zweifellos der deutsche Riesling. Kein anderer Weißwein hat in seiner vollendeten Form ein derart ausgeprägtes Bukett, feine Mineralik und ausgewogenes Frucht-Säure-Spiel, wie dieser. Einzelne Exemplare haben selbst nach jahrzehntelanger Lagerung nichts an ihrer Frische verloren. Genießern wohlbekannt sind die Auslesen und Eisweine der Riesling-Trauben. Doch Deutschland hat noch mehr zu bieten und in den verschiedenen Regionen wachsen ganz eigene Charaktere.

Weinbau in Italien

Ist es das Dolce Vita? Die wunderschönen Landschaften? Der morbide Charme pittoresker kleiner Städte oder einfach deshalb, weil wir Italien nur im Urlaubs-Modus kennen. Egal, wir lieben die italienische Küche und wir lieben den italienischen Wein! Schon die Griechen nannten vor 3000 Jahren Italien Oinotria, Weinland. Es gibt kaum eine Region in Italien, in der kein Wein angebaut wird. Die geographischen Voraussetzungen sind scheinbar ideal: Höhenlagen, Küstenlängen, Sonneneinstrahlung und nährstoffreiche, vulkanische Böden ergeben eine einzigartige Kombination. Noch vor dem Römischen Reich waren es die Etrusker, die den Weinanbau kultivierten. Die römischen Legionen verteilten Wein als Fertigprodukt und später auch als landwirtschaftlichen Wissenstransfer rund um das Mittelmeer, hauptsächlich aus Eigennutz, um ihre Truppen zu versorgen. Bis heute ist die Strahlkraft des italienischen Weins in ganz Europa und der Welt ungebrochen. Besonders in den letzten Jahrzehnten haben einstmals stiefmütterlich behandelte Regionen wie Apulien, Sizilien oder Sardinien einen regelrechten Boom erfahren. Lange Zeit dienten ihre gehaltvollen Trauben nur als Verschnitt für die adligen Weine der Toskana, des Piemont oder der Amarone. Die Norditaliener haben mittlerweile den Klimawandel negativ zu spüren bekommen. Während nördlich der Alpen die wärmeren Sommer dazu führen, dass sich mehr Fruchtzucker in den Trauben bildet und Weine deshalb gehaltvoller werden, haben das Piemont und Venetien besonders mit verheerenden Unwettern zu kämpfen, die große Teile der Ernte vernichten. Preisschwankungen von bis zu 30% der einzelnen Jahrgänge sind die Folge. Anfang der neunziger Jahre wurde das Klassifizierungssystem neu geordnet. Die einfachsten Weine werden mit I.G.T bezeichnet, sinngemäß „typisch regional indiziert“. D.O.C. und D.O.C.G. sind die höherwertigen Stufen, welche einer strengen Kontrolle unterliegen. Hierbei werden regional-typische Trauben, Ertragsmengen und andere Kriterien geregelt. Die strengen Vorschriften führen aber auch dazu, dass innovative Winzer, welche zum Beispiel Bordeaux-Reben in der Toskana anbauen, ihre ansonsten hochwertigen Weine „nur“ mit I.G.T. bezeichnen können. Zum Glück bewerten die meisten Genießer ihre Weine eher nach dem Geschmackserlebnis und nicht vordergründig nach den Klassifizierungen, sonst hätte es niemals sogenannte „Super Tuscans“ gegeben.

Weinbau in Frankreich

Wo beginnt man, wenn man Frankreichs Weinbau beschreiben möchte? Mit der Geschichte – dass die Römer auf ihren Feldzügen durch West-Europa vor über 2000 Jahren überall Heerlager, Befestigungen, Depots anlegten und so den Weinbau zur Truppenversorgung in den neu entstandenen Provinzen etablierten? Das gilt sicherlich für alle Regionen rund um das Mittelmeer. Aus heutiger Sicht hat es ohne Zweifel sehr viel mit der französischen Lebensart zu tun. Einerseits wurde schon seit vielen Jahrhunderten das Beste aus den Provinzen an den französischen Hof geliefert, was eine Spezialisierung zur Folge hatte, zum anderen entwickelte sich in den weit von der Zentralregierung gelegenen Gebieten eine lokale Selbständigkeit. Die Einwohner lebten mit und von der Landwirtschaft und dem Handel. Historische Höhepunkte wie die Verbannung des Papstes im Mittelalter nach Avignon im südlichen Rhonetal und dem folgenden Siegeszuges des Châteauneuf-du-Pape, die Entstehung der Adelsschlösser entlang der Loire oder das Wirken des Hospices de Beaune, welches die Kosten für die Pflege und Beherbergung kranker Menschen bis heute aus dem Ertrag des Weinbaus im Burgund deckt, trugen zum Renommeé französischer Weine weit über die Grenzen hinaus bei.
Folgen Sie uns auf einer kleinen Rundreise durch die wichtigsten Anbaugebiete.

Weinbau in Spanien

Die iberische Halbinsel ist eine besonders interessante Region für den Weinbau. Spanien besitzt zum Beispiel die größte Anbaufläche der Welt, liegt aber auf Platz 3 bei der produzierten Menge. Während sich andere Länder Europas schon vor Jahrhunderten zu eigenständigen Weinproduzenten entwickelten, begann erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert in Spanien die Blüte des heutigen Erfolgs. Immerhin brachten die Römer noch vor Christi Geburt den Weinbau hierhin. Am Oberlauf des Rio Oja wurde also bereits vor über 2000 Jahren der Grundstein dafür gelegt, was wir heute mit dem Rioja, also hauptsächlich der Tempranillo-Traube, verbinden. Dunkle, beerige, weiche, warme Weine mit genug Gerbstoffen in der Schale, damit sie in Ruhe viele Monate in Eichenfässern reifen können.

Weinbau in Portugal

Portugal, als zweite und lange Zeit sehr erfolgreiche Seefahrernation und Kolonialmacht neben dem Königreich Spanien, hat durch den nahen Atlantik und einem im Nordteil in Richtung Süden verlaufendem Gebirge, eine ganz andere klimatische Voraussetzung. Auch wenn man mit Portugal oberflächlich eher meist den Portwein verbindet und vielleicht noch den „grünen Wein“ Vinho Verde, ist die Region durch das konsequente Festhalten an einheimischen Trauben ein eigenständiger Charakter. Es ist sehr interessant, Weine aus beiden Regionen zu vergleichen. Ihre Unterschiedlichkeit, trotz der Tatsache, dass sie nahezu auf den gleichen Breitengraden wachsen, füllt wissenschaftliche Abhandlungen und Lexika.

Weinbau in Österreich

Ein wichtiger Grund für den Siegeszug des österreichischen Weinbaus, der seinen Höhepunkt vermutlich noch vor sich hat, war die schwere Krise, in die er 1985 mit dem Glykol-Skandal stürzte. Der gesamte Weinhandel des Landes brach zusammen, als publik wurde, dass zahlreiche Winzer ihre Weine gefälscht und mit Glykol, einem gesundheitsschädlichen Frostschutz- und Lösungsmittel, den Alkoholgehalt aufgebessert hatten. Der Schaden war groß – und um so größer der Ehrgeiz, die vormals bedeutende Weinkultur wieder auf höchstes Niveau zu bringen und ihr im In- wie im Ausland zu neuem Ansehen zu verhelfen. Das Weingesetz des Landes wurde von Grund auf erneuert und gilt als eines der strengsten der Welt; daneben gewährleisten viele Schutzverbände in den einzelnen Weinbaugebieten durch zusätzliche eigene Produktionsvorschriften und -kontrollen eine hohe Qualität.

Weinbau in Slowenien

Das 1991 neu geschaffene Slowenien berührt in Istrien die Adria und erstreckt sich dann nordwärts an der italienischen Grenze entlang der Karnischen Alpen und weiter durch die steilen Julischen Alpen ostwärts bis zur ungarischen Grenze. Es ist nicht verwunderlich, daß im Westen trockene Weißweine nach italienischem Vorbild vorherrschen; aber auch stämmige Rotweine, insbesondere der Teran von der Refosco-Traube, wachsen in den karstigen Bergen Istriens.

Weinbau in Kroatien

Kroatien ist zwar ein kleines Weinbauland, dennoch hat hier der Weinbau eine lange Tradition, die zum Teil bis in die Zeit der Römer und Griechen zurückreicht. Natürlich hat der Bürgerkrieg in Jugoslawien in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem anschließenden Verfall seine Spuren hinterlassen, von denen sich Kroatien heute allmählich erholt. Ca. 65.000 Hektar Rebfläche kann das Land verzeichnen, aufgeteilt auf zwei sehr unterschiedliche klimatische Bereiche. Die Weinbaugebiete dieses Teils Kroatiens sind von Weißwein geprägt, im besonderen Maß vom Welschriesling. In manchen Regionen findet man aber auch Riesling, Traminer, Pinot Blanc oder Muskat Ottonel.

Weinbau in Ungarn

In keinem anderen Land der Welt haben Wein und Speisen einen so ausgeprägten Nationalcharakter wie in Ungarn. Historisch steht die Weinkultur Ungarns dem Alter, der Tradition und der feinen Ausprägung nach hinter Frankreich und Deutschland an dritter Stelle. Der typische ungarische Wein ist weiß – oder richtiger: warm goldfarben. Guter ungarischer Wein schmeckt ausgesprochen süß, ist jedoch voller Feuer.